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Milica Djordjevic - rocks-stars-metals-light
Preis: € 16,00
WWE 1CD 40417
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Milica Djordjevic
rocks-stars-metals-light

01
Rdja (2015) für Ensemble 10:31 Share
02
Sky limited (2014) für Streichorchester 17:15 Share
03
The Firefly in a Jar (2007) für Kammerorchester 06:30 Share
04
The Death of the Star-Knower (2008/2009) für Streichquartett 15:15 Share
05
Quicksilver (2016) für Orchester 19:22 Share
Gesamtspielzeit 01:08:53
      mp3 320 kB/s
rocks-stars-metals-light 9,99 €  |  download
Milica Djordjević: rocks-stars-metals-light

Rdja (2015)
für Ensemble
ensemble recherche

Sky limited (2014)
für Streichorchester
Münchener Kammerorchester, Leitung: Clemens Schuldt

The Firefly in a Jar (2007)
für Kammerorchester
Münchener Kammerorchester, Leitung: Clemens Schuldt

The Death of the Star-Knower (2008/2009)
für Streichquartett
Armida Quartett

Quicksilver (2016)
für Orchester
Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, Leitung: Peter Rundel
Live-Mitschnitt

Die Wucht des Elementaren
© Manu Theobald
Der erste Eindruck ist der eines tiefen, fast wilden Ernstes. Kaum zu domestizierende Kräfte treiben die Klänge hervor, immense Energien schieben die Entwicklungen an, nervöse Spannung hält den Innendruck aufrecht. So spröde, ganz und gar abstrakt sich die Oberfläche von Milica Djordjevics Stücken darbietet, so rigoros jegliche Allusionen und semantisch besetzte Gesten darin gemieden werden, so unmittelbar sinnlich wirkt das Erklingende in seinen changierenden Texturen und seinem rhythmischen Sog. Auch daran mag es liegen, dass selbst relativ kurze und sparsam besetzte Arbeiten wie das Bläsertrio Phosphorescence (2015) beinahe monumental wirken: wuchtig und kompromisslos, bar jeden Dekors.

Das viel strapazierte Wort von der ganz unverwechselbar „eigenen Stimme“ – vielleicht ist es bei Djordjevic tatsächlich einmal am Platze. Es ist eine kehlige, die körperlichen Mühen ihrer Hervorbringung offen eingestehende Stimme, stark und doch verletzbar, die aus den Arbeiten der jungen Serbin zu vernehmen ist. Eine Stimme mit „Körnung“, fast im Sinne von Roland Barthes’ Reflexionen über den Gesang. Dabei scheint es, als transportiere Djordjevics Musik eigentlich gar keine „Kunst“, sondern belausche geradewegs die Natur selbst. Nicht die landschaftlich-pittorseke, symbolisch gebändigte Natur der abendländischen Tradition, versteht sich. Sondern die Kräuselungen und Bewegungen der Luft, deren tanzende Gasmoleküle sich unablässig neu mischen und jederzeit zum Wirbelwind formieren können. Vor allem aber die tönenden Emanationen der Erde, aus deren Tiefenschichten die Wärme empor steigt, während gleich unter der Oberfläche allerhand Getier die poröse Krume durchwühlt. Rau, häufig gar roh im Gestus, verweigert Djordjevic so vitale Tonsprache weniger Harmonie und Schönklang, als dass sie, durchaus lustvoll, das Erlebnis des Elementaren, prall Physischen gewährt. Oft zwingt dies die Musiker bis an die Grenzen spiel- und atemtechnischer Möglichkeiten: Verausgabung, ja Erschöpfung sind, als expressive Extremsituationen, essentieller Bestandteil der Erfahrung.

Gewiss, die musikalischen Laute selbst, die feinstufige Skala der knirschenden, flatternden und fauchenden Vokal- und Instrumentalklänge in ihrem steten Fluktuieren, sie gehören seit längerem zum Inventar avancierten Komponierens. Milica Djordjevi begnügt sich indes nicht damit, deren sensorischen Reizen nachzuspüren. Akribisch organisiert sie etwa in Sky limited für 19 Streicher (2014) einen vermeintlich statischen, wie von innen erzitternden Ensembleklang. Durchweg setzt dieser sich aus sehr unterschiedlich hervorgebrachten Tönen zusammen, wobei sich Balance und räumliche Wirkung ständig verändern. Die so entstehende Kontrapunktik der Timbres ist nicht nur in der Vertikale transparent aufgebaut. Mittels genauer Kalibrierung der Steigerungswerte und strenger Selbstdisziplin in der Entwicklung der Form wird die Vielstimmigkeit so dynamisiert, dass eine unmittelbar sinnfällige Verlaufskurve entsteht. Was dann dazu führt, dass die finale Steigerung wie mit Vollgas gegen einen stumpfen Widerstand zu prallen scheint. Während sich Djordjevi intensiv um fassliche Prozesse bemüht, öffnet sie die formalen Konzepte immer wieder für spontane Entscheidungen entlang des Weges: Auch der technisch hochgradig kontrollierte Klang bleibt am Ende eine lebendige Materie, die nach intuitiver Handhabung verlangt.

Die Neigung zum extrem Gespannten, tendenziell Exzessiven, wie sie sich auch im 2015 uraufgeführten Ensemblestück Rdja (zu deutsch: „Rost“) zu erkennen gibt, der wohl farbigsten Arbeit aus Djordjevi s neuester Produktion, spricht für die existenzielle Dimension eines Komponierens, dem nichts ferner liegt, als die Selbstbezüglichkeit des L’art pour l’art. „I put my dark and anxious side on paper“, hat Milica Djordjevi einmal in einem Interview geäußert, als von den dramatischen Steigerungskurven ihrer Stücke die Rede war. Sie hat laut gelacht dabei. Denn natürlich ist gerade ihre Kunst weder narrativ noch platt autobiographisch – und erst recht kein Psychogramm. Andererseits kommen die dunklen, innerlich aufgepeitschten Strecken der Partituren eben nicht von ungefähr. Dass die Entscheidung des vielseitig begabten jungen Mädchens aus Belgrad, sich ganz der Musik zu widmen zu einer Zeit fiel, als – es war im Jahr 1999 – die Bomben der NATO auf ihre Heimatstadt fielen, dass dieser Entschluss in jenen Wochen reifte, in denen die Schulen geschlossen waren und sich außer stundenlangem Klavierüben hinter verriegelten Fensterläden für die 15-Jährige keine anderen Aktivitäten anboten, was wiederum zur Folge hatte, dass Djordjevic anschließend ihr Programm für die Aufnahmeprüfung an der Belgrader Spezialschule für Musik beieinander hatte – dies ist wohl mehr als ein anekdotisches Detail. Im von mehreren Bürgerkriegen geschüttelten Serbien erhielt die Musikerin eine handwerklich gründliche, ästhetisch indessen dezidiert konservative Kompositionsausbildung. Als sie 2007, inzwischen 23-jährig, zunächst mit Hilfe privater Förderer in Straßburg ihr Aufbaustudium aufnahm, da begannen jene arbeitsreichen Jahre, in denen sie unter Hochdruck den Anschluss an die Szene Westeuropas herstellte.

Dass die Herausbildung der eigenen Stimme auch mit der Erkenntnis ihrer kulturellen Wurzeln zu tun haben würde, war der Komponistin wohl schon damals klar. Sowohl die rauen Timbres als auch der besonders enge melodische Ambitus ihrer Linien haben ihre direkte Parallele im traditionellen Gesang von Djordjevi s Heimat. Bekanntlich ist Serbisch eine „tonale“ Sprache: Auf betonten Silben verändert ein Heben oder Senken der Stimme die Bedeutung an sich identischer Laute. Es empfiehlt sich also, ganz genau zuzuhören. Es ist der Tonfall, der die Musik macht ...

Anselm Cybinski
About: Milica Djordjević
Milica Djordjević wurde 1984 in Belgrad, Serbien, geboren. Sie studierte Komposition an der Fakultät für Musik in Belgrad, wo sie auch ihre Studie der Klangregie und Produktion sowie einen zusätzlichen Studiengang in elektronischer Musik absolvierte.

Ihr weiterführendes Studium als Postgraduierte (Studium 3. Zyklus) hat sie am Conservatoire National de Région de Strasbourg in der Klasse von Ivan Fedele (2007–2009) mit Auszeichnung abgeschlossen. Darüber hinaus nahm sie in den Jahren 2009 bis 2010 am Cursus-Programm am IRCAM in Paris teil und war Stipendiatin der Cité Internationale des Arts in Paris. Von 2011 bis 2013 absolvierte sie ein Zusatzstudium bei Hanspeter Kyburz an der Hochschule für Musik Hanns Eisler, Berlin.

Djordjević besuchte zahlreiche Meisterkurse, Workshops und Festivals, u.a. die Akademie für Neue Musik (München, Deutschland, 2012), TICF 2012 (Bangkok, Thailand), ISCM World New Music Days 2011 (Zagreb, Kroatien), die Impuls Academy (Graz, Österreich, 2011), Ars Musica (Brüssel, Belgien, 2009), Festival Musica (Straßburg, Frankreich, 2009), 44. Internationale Ferienkurse für Neue Musik (Darmstadt, Deutschland, 2008), Workshop for Contemporary String Quartet Music (Blonay, Schweiz, 2008), Acanthes 2007, 2009 und 2010 (Frankreich), International Young Composers Meeting und International Gaudeamus Music Week 2006 (Niederlande).

Milica Djordjević erhielt zahlreiche internationale Preise, Auszeichnungen und Anerkennungen; darunter der Belmont-Preis für zeitgenössische Musik der Forberg-Schneider-Stiftung 2015 sowie der Preis der deutschen Schallplattenkritik 2017. Darüber hinaus war sie Gewinnerin des Lucerne Festival Wett-
bewerbs 2013, des Berlin-Rheinsberger-Kompositionspreises 2013, des Preises (Kompositionsauftrag) von musica femina münchen und Münchener Kammerorchester 2013, des Tesla Preises für Jugend-Kreativität 2011, des internationalen Wettbewerbs TICF in Thailand 2012, des ersten Preises bei der International Summer Academy Prag-Wien-Budapest 2005, des dritten Preises beim 12. International Young Composers Meeting Apeldoorn sowie des Preises der Stadt Straßburg 2008. Sie war Finalistin des Staubach Preis – Internationale Ferienkurse für Neue Musik, Darmstadt 2008 und war nomi- niert für den April-Preis der Stadt Belgrad. Djordjević hat Serbien beim International Rostrum of Composers 2010 und den ISCM World New Music Days 2011 vertreten. Zudem erhielt sie 2008 ein Stipendium aus dem Fonds für junge Talente der serbischen Regierung und das CONCERTO-Musikstipendium der Alfred-Toepfer Stiftung 2012.

Ihre Musik wird von führenden Ensembles gespielt wie dem Arditti Quartet, den Neuen Vocalsolisten, dem Münchener Kammerorchester, dem ensemble recherche, dem Ensemble Musikfabrik, dem Ensemble Alternance, l’Arsenale, Ensemble XII, dem Orchestre National de Lorraine und dem Symphonie- orchester des Bayerischen Rundfunks. Bekannte Interpreten wie Luca Pfaff, Teodoro Anzellotti, Alexander Liebreich, Peter Veale, Jean Deroyer, Sylvio Gualda, Francesco Dillon und viele mehr führen und führten die Musik von Milica Djordjević auf.

Porträt: Milica Djordjević

Ein Film von Johannes List

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